Die Guten sterben immer zu früh
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Sie musste als Kind vor den Nazis nach Australien fliehen und ist trotzdem immer wieder gerne nach Wien gekommen.
Sie winkte mir mit einem Geschirrtuch nach, als ich zum ersten Mal mit dem Kindergarten für eine Woche von daheim wegfuhr.
Sie hat mir die schönsten Kinderbücher geschenkt und die interessantesten Geschichten erzählt.
Sie hat mit Luciano Pavarotti in der Arena von Verona Bass (!) gesungen.
Sie verließ ihre Wohnung nie ohne Hut und ohne Lippenstift und verweigerte ebenso konsequent eine Brille.
Als ich sie mit 15 Jahren in Sydney besuchte, wurde mir verboten, zu ihr ins Auto zu steigen. Ich habe es natürlich trotzdem getan und nachdem sie sich verfahren hatte, zauberte sie einen Sehbehelf aus ihrem Handschuhfach auf die Nase, der allerdings nur ein (verschmiertes) Glas hatte. ;-)
Sie liebte junge Menschen, war immer von ihnen umgeben und hat bis zuletzt mit ihnen gearbeitet.
Unmittelbar nach der Diagnose ihrer Krankheit übersiedelte sie ins Hospiz, wo sie "because of the never ending stream of visitors" in ein Einzelzimmer verlegt wurde. Dort feierte sie, umgeben von einem Blumenmeer, mit ihren Freunden und Sekt Abschied.
Marlene J. Norst war eine tolle Frau und ein wunderbarer Mensch.
Adieu Marlene und danke, dass ich Dich kennen durfte!
(Siehe auch die Website im Sydney Morning Herald)
The good ones always go too early
She had to flee from the Nazis to Australia as a child and yet she always liked to return to Vienna.
She waved me good bye with a tea towel, when I first left home for a week long trip with my kindergarten.
She brought me gifts of the most beautiful children's books and told me the most interesting stories.
She sang bass (!) with Luciano Pavarotti in the Arena of Verona.
She never left her apartment without a hat or lipstick and, just as consistently, refused to wear glasses.
When I visited her in Sydney at the age of 15, I was not allowed to ride in the car with her. Of course, I did it anyway, and when she got lost, she magically produced some spectacles which, however, only had one (smudged) lens. :-)
She loved young people, was always surrounded by them and worked with them to the end of her life.
Immediately after her fatal diagnosis she was admitted to the hospice where she was moved to a single room, because of the never ending stream of visitors. There she took her leave, surrounded by a sea of flowers, and drinking champagne with her friends.
Marlene J. Norst was was an amazing woman and a wonderful human being.
Fare well, Marlene, and thank you, that I was allowed to know you!
Anja-Pia - 20. Dez, 09:27
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